Evangelium to go

Evangelium vom 26. Juli

Von 22. Juli 2026No Comments

Evangelium nach Matthäus 13,44-52:
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.

Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja. Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.

Ein weises und kluges Herz

Luis Casasús, Präsident der Idente Missionarinnen und Missionare

Rom, 26. Juli 2026 | XVII. Sonntag im Jahreskreis

1 Kön 3,5.7-12; Röm 8,28-30; Mt 13,44-52

Heute enden alle drei Lesungen dort, wo sie beginnen: bei der Weisheit. In der Ersten Lesung bittet Salomo Gott um diese Art von Unterscheidungsvermögen, und im Evangelium schließt Jesus mit der Frage an seine Jünger: Habt ihr das alles verstanden?

Wer versteht und annimmt, was der Meister uns heute sagt, wird mehr als nur ein „Schriftgelehrter“; er wird ein wahrer Jünger, der sich dadurch auszeichnet, dass er Neues und Altes zu gebrauchen weiß, indem er nutzt, was wirklich wichtig ist, und verwirft, was in diesem Moment nutzlos ist.

Das dritte der heutigen Gleichnisse spricht nicht nur vom Ende der Welt, sondern von dem, was ein guter Fischer, ein wahrer Apostel, ein tüchtiger Wissenschaftler und ein Mensch, der in Gemeinschaft zu leben weiß, fortwährend tun muss: das Nutzlose verwerfen und das, was in diesem Moment wirklich wertvoll ist, annehmen. Das ist leicht gesagt, doch wir sehen, wie der reiche Jüngling, ein kluger und gesetzestreuer Mensch, diese Lehre nicht beherzigen konnte.

Was Jesus von diesem jungen Mann verlangte, ist dasselbe, was er uns im heutigen Evangelientext sagt: Wir müssen allen Besitz verkaufen, wir müssen die nutzlosen Fische aussondern, und so werden wir unsere Körbe mit dem Besten füllen können, das unsere Netze fangen.

In Wirklichkeit ist es das, was ein Kind tut, um laufen zu lernen: Es hört auf, Hände und Knie zu gebrauchen, um seine Füße voll einzusetzen.

Maria, die Mutter Jesu, verkörpert die Weisheit, „aus ihrem Schatz Neues und Altes hervorzuholen“. Sie ist die Tochter eines Volkes, das aus der alten Verheißung lebt, die Schriften kennt, die Psalmen betet und den verheißenen Messias erwartet. Sie steht für die Treue zur Tradition, für die angesammelte Weisheit der Generationen, die mit Gott gegangen sind.

Doch bei der Verkündigung empfängt sie etwas gänzlich Neues: die Menschwerdung des Sohnes Gottes in ihr. Sie weist es nicht zurück, weil es neu ist, aber sie nimmt es auch nicht ohne Unterscheidung an. Sie fragt, sie erwägt, sie unterscheidet: Wie soll das geschehen …? Und dann antwortet sie frei: Mir geschehe, wie du es gesagt hast. Der heilige Lukas wiederholt zweimal einen Schlüsselsatz: Maria bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.

Das hier verwendete griechische Verb ist sehr ausdrucksstark (syn-tērein); es bedeutet wörtlich „zusammenfügen, verweben oder verbinden“. Maria verbindet das, was sie bereits über Gott wusste, mit dem, was Gott jetzt tut. Es ist die Geste des Schriftgelehrten des Reiches Gottes: das Alte bewahren und sich zugleich dem Neuen öffnen.

Doch die Weisheit ist nicht etwas, das man ein für alle Mal empfängt. Wir müssen Tag für Tag aus diesem Schatz schöpfen. Bei der Hochzeit zu Kana handelt Maria zum Beispiel aus der Tradition heraus, aus Gastfreundschaft und Sorge um andere, und öffnet zugleich die Tür für das erste Zeichen Jesu, das die messianische Neuheit einleitet.

Ihre Worte sind die genaue Definition der Weisheit: Was er euch sagt, das tut. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes erkennen wir tatsächlich, dass es immer Jesus ist, auf den wir schauen, während wir unsere kleinen Schritte auf dem Weg zur Weisheit machen.

Wie der heilige Paulus sagt: Für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, ist Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit (1 Kor 1,24).

—ooOoo—

Die Gleichnisse von der kostbaren Perle und dem verborgenen Schatz bieten uns eine Perspektive, die es zu bedenken gilt in Bezug auf das Himmelreich: Seine Wirkung auf das Leben des Christen ist unvorhersehbar. Das gilt sowohl für den armen Tagelöhner, der sich nicht hätte vorstellen können, was an einem gewöhnlichen Arbeitstag geschehen würde, als auch für den Perlenhändler, der gewiss die Hoffnung hegte, eine außergewöhnliche Perle zu finden. In beiden Fällen führt ihre Reaktion dazu, alles andere loszulassen, der wenige Besitz des einen und alle übrigen Perlen im Fall des Händlers.

Wenn wir einen Augenblick darüber nachdenken, hat jeder von uns die Erfahrung gemacht, vom Himmelreich überrascht zu werden, manchmal, indem wir es empfingen, ohne danach gesucht zu haben, und ein anderes Mal, indem es unerwartet zu uns kam, sogar auf eine Weise, die unseren Erwartungen widersprach.

Wir alle erinnern uns an den Fall des heiligen Paulus, der sich in seinem Wissen und seinen höchsten Erwartungen völlig übertroffen sah:

Doch was mir damals Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust erklärt. Ja noch mehr: Ich betrachte alles als Verlust gegenüber dem alles übertreffenden Gut, Christus Jesus, meinen Herrn, zu erkennen. Um seinetwillen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen (Phil 3,7-8).

An der Art, wie das Reich Gottes seine Kraft und sein Licht entfaltet, können wir verstehen, warum Jesus diese Wirklichkeit „Reich“ nennt, etwas, das der bestechliche Prokurator Pilatus nicht begreifen konnte (Mk 15,2). Die Herrschaft Christi überrascht und fordert uns heraus und öffnet zugleich unser Herz.

Nathanael ist eines der interessantesten Beispiele dafür, wie das Reich Gottes einen Menschen überrascht, der nicht danach sucht, und obendrein seine begrenzten früheren Erwartungen zerbricht. Seine Begegnung mit Jesus (Joh 1,45-51) ist ein Vorbild dafür, was es bedeutet, von Gott überrascht zu werden.

Nathanael suchte nicht aktiv nach dem Messias; er ist nicht ruhelos, sondern sitzt einfach unter einem Feigenbaum, wahrscheinlich betend oder nachdenkend, ohne die Erwartung, dass sich an diesem Tag etwas ändern würde. Doch dann ruft ihn Philippus und sagt: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben. Er wird auf eine seinen Erwartungen widersprechende Weise überrascht, denn der Messias sollte von einem bedeutenden Ort kommen und bestimmte Erwartungen erfüllen, die Nathanael und das ganze Volk sich vorgestellt hatten.

Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Das Reich Gottes kommt nicht nur unerwartet, es kommt von dort, woher er es am wenigsten erwartete. Nathanael ist überrascht: Woher kennst du mich?

Und Jesus offenbart, dass er ihn kennt, bevor Nathanael ihn kennt. Das Reich Gottes überrascht ihn in seinem Innersten: in seiner inneren Wahrheit, seiner Aufrichtigkeit, seiner stillen Suche.

Ohne dass wir Christus leibhaftig begegnen müssten, machen auch wir eine ähnliche Erfahrung des Himmelreichs. Und dies geschieht fortwährend, durch Menschen, von denen wir glauben, sie könnten uns nichts Gutes geben, durch Umstände, die wir für nutzlos und negativ halten, oder durch Augenblicke, die uns nicht „geistlich“ erscheinen. Das ist die Inspiration, der Fernando Rielo, unser Gründer, die Bedeutung von „Anziehung“ gibt. Es ist der Heilige Geist, der in unsere Segel bläst, um uns immer näher zu Christus und dem Vater zu ziehen.

Diese Metapher von Wind und Segel ist besonders kraftvoll, weil sie zwei Wirklichkeiten zugleich veranschaulicht: menschliches Handeln und eine Kraft, die es übersteigt.

Der Seemann kann die Karten studieren, das Ruder halten, die Taue flicken und entscheiden, wohin er will. All das hängt von ihm ab, aber eines kann er nicht erzeugen: den Wind. Er kann das Boot vorbereiten, um ihn einzufangen, aber er kann ihn nicht hervorbringen.

Wenn der Wind zu wehen beginnt und die Segel füllt, arbeitet der Seemann weiter, er verlässt weder das Ruder noch hört er auf, Entscheidungen zu treffen. Aber er entdeckt, dass der eigentliche Antrieb nicht aus seiner eigenen Kraft kommt. Eine größere Energie macht das Vorankommen möglich.

So lässt sich die göttliche Inspiration verstehen. Sie ersetzt weder die menschliche Freiheit noch macht sie den Menschen zu einem passiven Objekt. Der Verstand denkt weiter, der Wille wählt weiter, das Herz liebt weiter. Doch plötzlich nimmt der Mensch eine Klarheit, eine Kraft oder eine Gewissheit wahr, die zu übertreffen scheint, was er selbst hätte hervorbringen können. Was zuvor erschöpfende Anstrengung erforderte, beginnt sich mit unerwarteter Kraft zu bewegen.

Zudem beseitigt der Wind nicht die Notwendigkeit der Führung. Ein unerfahrener Seemann kann günstigen Wind haben und sich trotzdem verirren. Ebenso verzichtet die göttliche Inspiration nicht auf Unterscheidung, Klugheit und Verantwortung. Die Gabe muss angenommen und gelenkt werden.

Die unwiderstehliche Kraft dieser Inspiration liegt nicht in ihrem Zwang, sondern darin, dass sie, wenn man sie erkennt, eine Möglichkeit offenbart, die größer ist als die eigenen Berechnungen. Der Seemann könnte sich sogar widersetzen, die Segel einholen oder versuchen, bewegungslos zu bleiben. Doch wenn er sie offen hält, erfährt er, dass das Schiff genau dafür gemacht wurde: von einer Kraft getragen zu werden, die nicht aus ihm selbst stammt und die es dennoch lenkt und seinem Ziel entgegenführt.

Deshalb ist die Metapher so kraftvoll: Das Segel erzeugt den Wind nicht, sondern wurde geschaffen, um ihn zu empfangen; und wenn der Wind es füllt, entdeckt das Schiff eine Geschwindigkeit und einen Horizont, den es sonst nie erreicht hätte. So hebt die göttliche Inspiration die menschliche Natur nicht auf, sondern führt sie zu der Fülle, für die sie insgeheim bereits bereitet war.

Es fällt schwerer, sich den Götzen der Vergangenheit zuzuwenden, es fällt schwerer, an die kleinen Perlen zu denken, die wir verkauft haben, und an den Preis, den wir für den Acker bezahlt haben, der den Schatz verbarg. Wir verstehen den Rat des Meisters: Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde (Mt 6,19). Trotz allem, was unsere Instinkte ständig von uns verlangen, ermöglicht uns die Weisheit, freudig in diesem inneren Kampf mit dem Ich auszuharren, den wir Selbstverleugnung nennen. Trotz der geforderten Anstrengung und des Opfers zeigen uns die heutigen Gleichnisse, dass das Himmelreich uns mit Freude, Tatkraft und Schöpferkraft erfüllt.

Die Weisheit erlaubt uns nicht nur, zu unterscheiden, was von Gott kommt, von dem, was uns unrein macht. Ihre Wirkungen reichen weit:

Die Weisheit von oben aber ist zunächst einmal lauter, sodann friedfertig, freundlich, sie lässt sich etwas sagen, ist reich an Erbarmen und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei (Jak 3,17).

Nach der Vorstellung jener Zeit war das Meer der Bereich der teuflischen Mächte, der Feinde des Lebens. Deshalb wird den Jüngern der Auftrag anvertraut, „Menschenfischer“ zu sein und sie der Macht des Bösen zu entreißen. Unbeherrschte Leidenschaften, Selbstsucht und Begierden schlagen wie tobende Wellen auf uns ein, die uns wie ein Strudel in den Abgrund ziehen. Das Himmelreich ist ein Netz, das uns herauszieht, uns atmen lässt und uns dem Licht, der Rettung entgegenführt.

_____________________________

In den Heiligsten Herzen von Jesus, Maria und Josef,

Luis CASASUS

Präsident