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Welche Früchte trägt der Weinberg des Herrn? | Evangelium vom 4. Oktober

Von 30. September 2026No Comments

Evangelium nach Matthäus 21,33-43:
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.

Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.

Welche Früchte trägt der Weinberg des Herrn?

Luis Casasús, Präsident der Idente Missionarinnen und Missionare

Rom, 4. Oktober 2026 | XXVII. Sonntag im Jahreskreis

Jes 5,1-7; Phil 4,6-9; Mt 21,33-43

Wie oft haben wir in Familien, Gemeinschaften und Vereinen solche Sätze gehört?

– Mit Eulalio kann man unmöglich zusammenarbeiten; er kann nicht zuhören und lässt keine andere Meinung gelten als seine eigene.

– Ich organisiere das lieber allein, denn es kümmert sowieso niemanden, und alle haben andere Prioritäten.

– Ich halte mich lieber aus Konflikten heraus, denn jede meiner Initiativen stößt auf Kritik oder Gleichgültigkeit. So bleibt wenigstens der Frieden gewahrt.

Die erste Lesung, der Psalm (80) und das Evangelium sprechen von Konflikten und von den bitteren Früchten jenes Weinstocks, der das auserwählte Volk darstellt: berufen, die besten Trauben hervorzubringen, und doch durch Spaltungen und Überheblichkeit ein Ärgernis. Auch wir gehören selbstverständlich zu diesem auserwählten Volk.

Der Mangel an Gemeinschaft wiegt so schwer, dass er die meisten Anstrengungen der Verantwortlichen oder der Oberen vergeblich macht. Das erklärt die harten Worte Christi am Ende seiner Rede: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.

Gottes Pläne lassen sich nicht zerstören, aber die Arbeiter, die sich weigern, sie auszuführen, können ersetzt werden. Mit den Worten Christi lassen sich diese unwürdigen Arbeiter klar und deutlich beschreiben: Sie wollen, dass man ihnen dient. Das ist genau die entgegengesetzte Haltung zu der Jesu, der nach seinen eigenen Worten nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele (Mt 20,28). Wir sprechen oft davon, wie wichtig es ist zu „dienen“. Das heißt, bereit zu sein, Aufgaben zu übernehmen, die mir unwichtig erscheinen, und gerade so dem Nächsten Erleichterung zu verschaffen. Zum Dienen gehört ebenso, die Sendung der anderen möglich zu machen, was Aufmerksamkeit verlangt und die Bereitschaft, sich auf alle möglichen unvorhergesehenen Umstände einzulassen, und schließlich, ein Beispiel zu geben, ein demütiges Vorbild zu sein.

Zu diesem letzten Punkt, anderen bescheiden zu helfen, einen Weg zu einem fruchtbaren Leben zu finden, sagte Papst Leo XIV. den Teilnehmern an der Eröffnung des Pastoraljahres in Rom (18. September 2026):

Die Kirche existiert nicht für sich selbst, sondern um jeden Menschen zur Begegnung mit dem Herrn zu führen.

Zweifellos ist das die Frucht, die Gott Vater, der Herr des Weinbergs, von uns erwartet, persönlich wie als Gemeinschaft. Erinnern wir uns noch einmal an die Worte Jesu über sich selbst und über uns: sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Das heißt, unsere Nächsten aus jeder Form von Sklaverei in dieser Welt zu befreien und ihnen den Weg zum Vater zu zeigen, den sie schon jetzt gehen können.

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Für die unwürdigen Arbeiter, die die wahren Knechte auf irgendeine Weise prügeln, umbringen und steinigen, drückt die erste Lesung die schrecklichste Strafe in poetischer Form aus. Schlimmer, als abgeweidet und zertrampelt zu werden und unter Dornen und Disteln zu verwildern, ist es, dass für diese Leben, für diese Weinberge, der Herr des Weinbergs sagt: Den Wolken gebiete ich, keinen Regen auf ihn fallen zu lassen. Das bedeutet natürlich, dass sie die Gnade verlieren, die ihnen zugedacht war, und das ist weder symbolisch noch abstrakt gemeint: Gott wird ihnen keine Seelen anvertrauen, für die sie sorgen können, auch wenn sie wichtige Ämter innehaben, auch wenn sie viele Tätigkeiten gewissenhaft ausführen, auch wenn sie glänzende Ideen haben und mit Autorität sprechen.

Diese Unfruchtbarkeit ist gewiss eine Strafe von großer Tragweite. Sie wird verhindern, dass sie in Begleitung der Seelen in den Himmel eingehen, für die sie hätten sorgen können. Es ist die allgemeine, und in diesem Fall sehr reale, Form dessen, was viele Völker, etwa die Juden, als Strafe des Himmels ansahen: keine Familie gründen zu können. Es ist aber auch eine Strafe, die schon in dieser Welt beginnt. Kein gesellschaftlicher, intellektueller oder wirtschaftlicher Erfolg kann die Freude ersetzen, unmittelbar für Seelen zu sorgen, so anspruchsvoll das auch sein mag, denn das heißt, an der Sendung des Guten Hirten selbst teilzuhaben. Gemeint ist die geistliche Mutterschaft oder Vaterschaft.

Im Alten und im Neuen Testament gibt es zahlreiche Beispiele für das Gegenteil: wie die Vorsehung denen, die inmitten von Schwierigkeiten und Leid treu bleiben, eine ganz unerwartete Fruchtbarkeit schenkt.

Denken wir an Hanna, die Mutter des Propheten Samuel (1 Sam 1-2). Hanna erlebt einen persönlichen Zusammenbruch: Unfruchtbarkeit, öffentliche Demütigung und die ständigen Kränkungen durch Peninna, die andere Frau Elkanas, die Hanna um Elkanas Liebe beneidete. Sie konnte nichts „tun“, um ihren Schmerz zu lindern, aber in ihr wuchs eine innere Frucht, die ihre Geschichte veränderte: Hanna war verzweifelt, betete zum HERRN und weinte sehr (1 Sam 1,10).

Diese innere Geste, keine äußere Handlung, sondern eine Haltung der Offenheit im Innersten, öffnet sich Gott aus der Verwundbarkeit heraus und schafft so einen Raum, in dem Gott wieder aufbauen kann, was zerbrochen war. Hanna baut ihr Leben nicht durch große, sichtbare Taten wieder auf, auch nicht, indem sie ihren Schmerz verbirgt oder ihn benutzt, um andere zu beeinflussen. Sie tut es durch eine innere Frucht: ein Herz, das sich Gott in Wahrheit öffnet. Genau das empfiehlt der heilige Paulus heute den Philippern: bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!

Diese Frucht erlaubt Gott, zu tun, was sie selbst nicht kann: Leben zu schaffen, wo Unfruchtbarkeit war. Ihr Sohn Samuel wurde einer der größten Helden des Volkes Israel.

Ein Beispiel aus dem Neuen Testament, in dem eine innere Frucht des Herzens Gott erlaubt, Zerstörtes wieder aufzubauen, ist Petrus, nachdem er Jesus verleugnet hatte. Es ist einer der eindrucksvollsten Berichte über eine innere Wandlung in der ganzen Schrift. Petrus hatte vollkommen versagt: Er hatte Jesus dreimal verleugnet und damit die Gemeinschaft gebrochen.

Nichts Äußeres konnte das wiedergutmachen; keine Tat konnte einen solchen Verrat aufwiegen. Doch in ihm wuchs eine innere Frucht, die der Wiederherstellung die Tür öffnete: eine Reue, die nicht flieht, sondern zu Jesus zurückkehrt.

Und er ging hinaus und weinte bitterlich (Lk 22,62).

Dieses Weinen ist nicht nur Schmerz; es ist Wahrheit aus dem Innersten, es ist Demut, es ist Offenheit. Es ist die innere Frucht, die Gott erlaubt, wieder aufzubauen, was Petrus zerbrochen hat. Diese innere Frucht bereitet die entscheidende Begegnung in Johannes 21 vor:

„Liebst du mich?“

„Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.“

Petrus bietet keine Taten, Versprechen oder Verdienste an, sondern zeigt sein gebrochenes Herz. Und aus diesem Herzen heraus ist es Jesus, der wieder aufbaut: Freundschaft, Sendung und Vertrauen.

So wird er vom Verräter zum Hirten, nicht durch äußere Werke, sondern durch eine innere Frucht, die der Gnade Raum gab. Er erinnert sich an den Blick Jesu, und seine Tränen sind ein Gebet ohne Worte, ohne Ausreden. So gelingt es ihm, zu Jesus zurückzukehren, statt zu fliehen, wie es Judas Iskariot tat.

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Das Bild vom Weinberg gibt uns die Gelegenheit, unseren himmlischen Vater so zu verstehen und zu lieben, wie Christus es tat: indem wir Seinen Kummer betrachten, Seinen innersten Schmerz als Person, als einer, der Seine Kinder liebt. Das führte Ihn dazu, Sein Leben nicht nur aus Liebe zu den Menschen, den Sündern, hinzugeben, sondern vor allem, um das Leiden Seines Vaters mitzutragen.

Auch wir machen diese Erfahrung, wenn wir sehen, wie viele Gelegenheiten im Leben der Menschen verloren gehen, besonders bei den Jüngsten. Diese Betrachtung bewegt uns stärker als alle eigenen Ideen oder Pläne, denn sie berührt uns in der Tiefe unseres Seins. Ich glaube, wir können zwei Beispiele nennen, die stärker sind als jede rationale Erklärung.

֍ Das eine ist die Mutter der sieben makkabäischen Brüder in 2 Makkabäer 7. Ihre Geschichte gehört zu den radikalsten Zeugnissen mütterlicher Liebe, des Glaubens und des Martyriums in der ganzen Bibel. Ein König will sieben junge Männer zwingen, ihrem Glauben abzuschwören. Einer nach dem anderen wird gefoltert und hingerichtet. Die Mutter ist dabei und sieht zu, wie jeder ihrer Söhne in den Tod geführt wird. Und doch zerbricht sie trotz des unerträglichen Leidens nicht; dafür empfängt sie eine besondere Gnade und nimmt sie an. Ihr Schmerz lähmt sie nicht, er wird vielmehr zu einer inneren Kraft, die ihre Söhne im entscheidenden Augenblick trägt.

Sie umarmt jeden Sohn vor seinem Martyrium, als wolle sie ihm ihren eigenen Atem mitgeben. Sie spricht mit Zärtlichkeit und Festigkeit zu ihnen, erinnert sie daran, dass Gott stärker ist als der Schmerz, und macht ihnen Mut, nicht „zu sterben“, sondern in der Wahrheit zu bleiben. So bringt sie ihr eigenes inneres Leben als Opfer dar, denn jeder Tod eines ihrer Söhne ist auch ein Tod in ihr.

Ihre mütterliche Liebe ist geteiltes Martyrium. Sie stirbt siebenmal, bevor sie ein einziges Mal stirbt. Sie sucht natürlich nicht das Leiden, sondern will die Identität ihrer Kinder schützen, auch dann noch, wenn sie deren Leib nicht mehr schützen kann.

Ihr Schmerz wird zu einer Weise, Leben zu schenken: weil sie bei jedem Abschied ihr ganzes Herz hingibt, und weil ihr Schmerz sich für die Söhne in Mut verwandelt.

֍ Das zweite Beispiel ist Irena Sendler (1910-2008), eine katholische Krankenschwester und Sozialarbeiterin, die zu einem der leuchtendsten Beispiele tätigen Mitgefühls wurde. Ihr Kummer um die jüdischen Kinder, die im Warschauer Ghetto eingeschlossen waren, führte sie dazu, jeden Tag buchstäblich ihr Leben zu riskieren. Sie betrat das Ghetto mit gefälschten Passierscheinen, offiziell für medizinische Aufgaben.

Sie schmuggelte Kinder hinaus, versteckt in Säcken, Werkzeugkisten, Krankenwagen, Mülltonnen und sogar in leeren Särgen. Sie gab ihnen neue Identitäten, brachte sie bei Familien und in katholischen Klöstern unter und bewahrte ihre wirklichen Namen in Gläsern auf, die sie unter einem Baum vergrub.

Sie wusste, dass man sie töten würde, wenn sie entdeckt würde, und tatsächlich wurde sie verhaftet, gefoltert und zum Tod verurteilt. Sie überlebte nur, weil andere Mitglieder des Widerstands die Wachen bestachen. Sie arbeitete im Verborgenen weiter, sogar mit gebrochenen Knochen.

Obwohl Irena nicht die leibliche Mutter dieser Kinder war, weckte ihr Schmerz beim Anblick der hungernden, kranken und dem Tod geweihten Kinder in ihr eine radikale geistliche Mutterschaft.

Sie litt um die Kinder, die sie nicht ganz schützen konnte, setzte ihr Leben aufs Spiel, damit sie leben konnten, und starb innerlich jedes Mal, wenn sie ein Kind einer Familie anvertraute … ohne zu wissen, ob sie es je wiedersehen würde. So rettete sie nicht nur Leben, sondern baute für jedes Kind auch eine Zukunft.

Das war nicht nur durch die Kraft und Großherzigkeit dieser außergewöhnlichen Frau möglich, sondern auch durch die Art, wie sie den empfangenen Glauben pflegte. Er befähigte sie, ihre Angst vor Schmerz und Tod zu überwinden.

Das tut Jesus mit uns, und genau das erwartet er von uns mit der Gnade, die wir empfangen haben: fruchtbar zu sein und denen, die ihre eigene Geschichte misshandelt und gehunfähig gemacht hat, buchstäblich wahres Leben zu schenken.

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In den Heiligsten Herzen von Jesus, Maria und Josef,

Luis CASASUS

Präsident