
Evangelium nach Matthäus 4,1-11
In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.
Der Teufel: nur eine Metapher?
P. Luis CASASUS Präsident der Idente Missionarinnen und Missionare
Rom, 22. Februar 2026 | Erster Fastensonntag
Gen 2,7–9; 3,1–7; Röm 5,12–19; Mt 4,1–11
An diesem ersten Fastensonntag sind wir eingeladen, uns auf die Feier des Pascha-Mysteriums vorzubereiten: das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Ostern ist das Fest des Lebens. Doch wie der heilige Paulus sagt: Durch einen einzigen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod (Röm 5,12).
Die Fastenzeit ist daher eine Zeit, in der wir gegen den Teufel, gegen die Versuchung und gegen die Sünde kämpfen wollen, die geistlichen Tod in die Welt bringen. Allerdings haben wir vermutlich eine sehr dürftige Vorstellung davon, was dieser Kampf mit dem Teufel bedeutet, weil wir die Haltung Christi in den Versuchungen des heutigen Evangeliums nicht aufmerksam genug betrachten.
Vielleicht verstehen wir es besser, wenn wir mit zwei Beispielen beginnen, die NICHTS mit dem Teufel zu tun haben.
֍ Stellen wir uns vor, jemand sagt in einem Streit mit ironischem Ton zu dir: „Du musst natürlich immer der Klügste sein.“
Wenn du dem keine große Bedeutung beimisst und es dich kaum verletzt, ist es vermutlich kein wunder Punkt.
Wenn es jedoch innerlich brennt, wenn du dich rechtfertigen, erklären, dein Image verteidigen möchtest … dann ist das ein Hinweis. Der andere, dein „Gegner“, hat die Wunde nicht geschaffen; er hat sie berührt. Was der Angriff offenbart, ist weniger seine Bosheit als vielmehr deine Anhaftung: in diesem Fall das Bedürfnis, als gerecht, gebildet oder moralisch überlegen anerkannt zu werden.
֍ Ein anderes Beispiel. Jemand schließt dich bewusst aus oder ignoriert dich, obwohl du meinst, etwas beitragen zu können. Niemand beleidigt dich direkt – aber das schmerzt mehr als offene Kritik. Das zeigt, dass eine deiner Schwächen die Angst ist, nicht gesehen zu werden, nicht zu zählen, nicht berücksichtigt zu werden.
In beiden Fällen wirkt der Gegner wie ein unangenehmer Spiegel: Er zeigt, wie sehr es schmerzt zu glauben, man müsse etwas verteidigen; er weist auf das hin, was noch nicht integriert ist; er macht sichtbar, wie sehr man von etwas Äußerem abhängig ist.
Der sogenannte Gegner ist daher – selbst wenn er ein Feind sein mag – immer auch ein Offenbarer, eine Art Indikator. Nicht weil er moralisch recht hätte, sondern weil er – manchmal intuitiv – weiß, wo deine Schwachstelle liegt, um dort anzugreifen.
Aus theologischer und anthropologischer Perspektive sprechen die Versuchungen Christi nicht nur von Ihm, sondern sind auch ein Spiegel für den Menschen. Sie zeigen, wo unsere tiefsten Schwächen gewöhnlich liegen.
Wenn wir genau hinsehen, verweist jede Versuchung auf eine sehr konkrete menschliche Begrenztheit:
֍ Bedürftigkeit und Angst vor Mangel. „Mach diese Steine zu Brot“ berührt Hunger, Überleben, materielle Sorge, jene Tätigkeiten, in denen wir uns sicher fühlen. Es ist die Versuchung, das Leben auf das Unmittelbare zu reduzieren: Wenn ich das habe, geht es mir gut. Um Nietzsche ironisch zu paraphrasieren: etwas sehr Menschliches, allzu Menschliches.
֍ Der Wunsch nach Macht und Kontrolle. „Ich will dir alle Reiche der Welt geben“ offenbart die Faszination für Herrschaft, für Erfolg ohne den mühsamen Weg. Es ist die Versuchung, selbst das Gute zu instrumentalisieren – sogar den Nächsten, den ich angeblich liebe.
֍ Das Verlangen nach absoluter Sicherheit und Anerkennung. „Stürz dich hinab, und die Engel werden dich auffangen“ spricht vom Wunsch nach Beweisen, nach sichtbaren Früchten, nach Garantien, göttlichem oder menschlichem Applaus. Es ist die Versuchung, Gott (oder das Leben) zu zwingen zu beweisen, dass ich geschützt bin.
In diesem Sinn beschreiben die Versuchungen den Menschen in Grenzsituationen: Hunger, Einsamkeit, Unsicherheit, Verwundbarkeit. Christus erscheint nicht als jemand, der davon unberührt ist, sondern als einer, der die menschliche Existenz voll annimmt und sie durchlebt, ohne sie zu leugnen.
Die Szene ist daher weniger moralische Belehrung als existenzielles Porträt. Sie spricht von der Kraft unserer Anhaftungen – an die Welt und an das eigene Ich. Versuchungen erniedrigen weder Christus noch dich oder mich; im Gegenteil, sie würdigen uns. Wenn wir sie zu nutzen verstehen, werden sie zu einem Element unseres mystischen Lebens, zu etwas Verwandelndem.
Unser Gründer, Fernando Rielo, ermutigt uns, auf die „diabolischen Zeichen“ zu achten. Sie müssen nicht spektakulär sein, sondern offenbaren das Leiden unserer Seele, das wir angemessen fruchtbar machen sollen – besonders Apathie, Trockenheit und Wankelmut.
Der Heilige Geist schenkt uns das Licht, damit eine innere Situation, die uns zum Bösen hinziehen könnte, zu einem Impuls wird, der uns den göttlichen Personen näherbringt.
Trockenheit
Ein Beispiel für die positive Nutzung geistlicher Trockenheit ist Teresa von Kalkutta.
Über Jahrzehnte erlebte sie eine tiefe innere Dürre: fast völlige Abwesenheit innerer Tröstung, das Empfinden des Schweigens Gottes, sogar den Eindruck, „zurückgewiesen“ zu sein. Und doch blieb sie nach außen mit beeindruckender Treue ihrer Sendung unter den Ärmsten der Armen verpflichtet.
Bemerkenswert ist, wie sie diese Trockenheit nicht als Scheitern oder Strafe deutete und auch nicht als Vorwand benutzte, sich zurückzuziehen.
Sie selbst schrieb, ihre innere Dunkelheit habe ihr ermöglicht, die Einsamkeit der Armen, Kranken und Sterbenden besser zu verstehen. Die Trockenheit wurde vom Hindernis zur Brücke: Wenn ich mich verlassen fühle, kann ich den Verlassenen näher sein.
Ähnlich der heilige Johannes vom Kreuz. Im Gefängnis von Toledo erlebte er eine extreme geistliche Nacht: Isolation, Demütigung, absolute Dürre. Statt zu fliehen, betrachtete er diese Erfahrung und machte sie zu einem wertvollen geistlichen Werkzeug. Daraus entstand die Lehre von der „dunklen Nacht“, kein steriles Nichts, sondern eine schmerzhafte Gnade, die das Begehren reinigt und von falschen Stützen befreit.
In beiden Fällen wird Trockenheit nicht „gelöst“, sondern durchschritten. Und so entdeckt der angehende Heilige, dass reifer Glaube nicht auf Gefühl beruht, sondern auf Entscheidung.
Apathie
Ein Modell für eine fruchtbare Annahme von Apathie ist die heilige Thérèse vom Kinde Jesu.
In den letzten Jahren ihres Lebens beschreibt sie Zustände, die wir heute klar als Apathie bezeichnen würden: fehlender Geschmack am Gebet, innere Müdigkeit, Mangel an Begeisterung selbst für zuvor inspirierende Dinge. Keine Rebellion, keine intensive Traurigkeit – vielmehr eine flache Trockenheit: „Ich fühle nichts.“
Doch sie wartete nicht darauf, „etwas zu fühlen“, um zu lieben. Sie verwandelte die Apathie in ein Übungsfeld ihrer Intentionen, indem sie kleinste Handlungen ohne emotionalen Halt ausführte.
Sie lächelte aufrichtig, auch wenn die Person vor ihr ihr nicht sympathisch war; sie betete ruhig, ohne besondere Empfindung.
Für sie gefiel Gott gerade das, weil sie nicht mehr vom Trost, sondern von der freien Entscheidung getragen war. Solche „geschmacklosen“ Handlungen seien reinere Gaben, weil sie nicht aus Komfort, sondern aus Liebe geschenkt würden.
Auch der heilige Franz von Sales spricht von trockener Frömmigkeit und affektiver Gleichgültigkeit. Er selbst gesteht Zeiten ohne inneren Antrieb zu Gott ein, betont jedoch: stille Treue im Gewöhnlichen ist mehr wert als flüchtige Begeisterung.
Apathie wird nicht dadurch überwunden, dass man sich zwingt zu fühlen, sondern indem man neu definiert, was Lieben bedeutet: nicht Emotion, sondern freier und beharrlicher Akt.
Wankelmut
Ein Prototyp für den positiven Umgang mit Wankelmut ist der heilige Petrus.
Er ist gewissermaßen der Heilige des Wankelmuts. Er zweifelt nicht an seiner Vernunft, sondern bricht unter Druck zusammen. Zuerst verspricht er totale Treue, wenige Stunden später verleugnet er den Meister – nicht aus Bosheit, sondern aus Angst, Verwirrung und innerer Schwäche.
Entscheidend ist, was er mit diesem Wankelmut tut. Nach der Verleugnung verhärtet er sich nicht und rechtfertigt sich nicht. Er weint bitterlich – er lässt sich von seinem Versagen zerbrechen. Dort lernt er etwas Entscheidendes: Seine Liebe war aufrichtig, aber seine Kraft geringer als gedacht.
Und genau diese Schwäche nutzt Jesus. Bei der Wiedereinsetzung fordert er keine Heldentaten oder Garantien. Er stellt eine schlichte, wiederholte Frage: „Liebst du mich?“
Beim Judas Iskariot hingegen war der Teufel erfolgreicher: Er nahm ihm die Reue über die kleinen Diebstähle (vgl. Joh 12,4–6), löschte das Verlangen nach Umkehr aus und trennte ihn von der Gemeinschaft der Jünger und von Christus selbst – und zerstörte so eine Berufung, die ebenso lebendig hätte sein können wie die der anderen.
Existiert der Teufel?
Es geht nicht darum, eine ontologische Antwort auf seine Natur zu geben, über die die Theologie ausführlich diskutiert hat. Für jeden von uns ist entscheidend, wahrzunehmen, dass unsere ständige Neigung, Gottes Platz einzunehmen, uns von Ihm unabhängig zu machen – meist ohne bewusste böse Absicht – alle Merkmale einer verführerischen Persönlichkeit trägt, die scheinbar unser Bestes will.
Erinnern wir uns: Im Evangelium nennt Christus Petrus einmal „Satan“ (Mt 16,23), weil er in diesem Moment zum Hindernis wird, das Jesus vom Weg des Lebenshingabe abbringen will.
Petrus tritt als Freund auf, mit guten Absichten: Er möchte, dass Jesus nicht nach Jerusalem geht und sein Leben rettet – und drängt ihn damit, sich vom Willen des Vaters zu lösen.
Das Wort „Teufel“ stammt vom griechischen διάβολος (diábolos): derjenige, der Zwietracht sät, der trennt und die Liebesbeziehung zwischen Gott und Mensch verhindert.
Wir sollten anerkennen, dass es eine echte „Persönlichkeit“ gibt – ein charakteristisches Verhalten in der Gesamtheit der Bewegungen unserer Seele, die aus Leidenschaften und Instinkten entspringen.
Nehmen wir daher eine wahrhaft wissenschaftliche Haltung ein: Suchen wir Regelmäßigkeiten und Muster in unserer Neigung, Gottes Thron einzunehmen – sei es aus Bosheit oder weil uns unsere vermeintlichen Tugenden selbstgenügsam erscheinen lassen.
Die schlüssigste Folgerung ist wohl, dass hinter all dem eine Persönlichkeit steht, die jener ähnelt, die das Evangelium heute am Ende der vierzig Tage Jesu in der Wüste zeigt – wohin er, vergessen wir es nicht, vom Heiligen Geist geführt wurde, um vom Teufel versucht zu werden.
In den Heiligsten Herzen Jesu, Mariens und Josefs,
Luis CASASUS
Präsident











