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Die Kakerlake und die Gebote | Evangelium vom 15. Februar

Veröffentlicht durch 11 Februar, 2026No Comments

Evangelium nach Matthäus 5,17-37
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich. Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gebe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, so lange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt. Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.

Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs. Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

Die Kakerlake und die Gebote

P. Luis CASASUS Präsident der Idente-Missionare

Rom, 15. Februar 2026 | VI. Sonntag im Jahreskreis

Sir 15,16–21; 1 Kor 2,6–10; Mt 5,17–37

Niemand entfernte die tote Kakerlake vom Treppenabsatz. Der Obere musste sich um heikle und dringende Angelegenheiten kümmern; wahrscheinlich hatte er sie nicht einmal bemerkt. Pater Eulalio störte dieses unbedeutende Tierchen nicht. Pater Nicasio fragte sich empört, wer sie wohl entfernen sollte und warum das so lange dauerte. Pater Octavio war eine Woche zu Gast im Haus, und als er das arme tote Insekt sah, empfand er Ekel und dachte, die Gemeinschaft sei sehr nachlässig.

In der Praxis sind unsere Weisen, das Gesetz (geschrieben oder ungeschrieben) zu betrachten, egoistisch, voller Gleichgültigkeit und Ausflüchte, ohne Bezug zum Nächsten.

Doch ein kleines Mädchen, die Tochter der Köchin, kam die Treppe hinauf, nahm ein Taschentuch und entfernte die Kakerlake, obwohl es sie sehr ekelte; aber sie wollte nicht, dass ihre Mutter es tun musste.

Kleine Handlungen zeigen, wer du wirklich bist, wenn niemand zusieht oder wenn die Aufgabe unbedeutend erscheint; denn wer im Kleinen treu ist, ist auch im Großen treu… Das sagt Jesus unmittelbar nachdem er das Gleichnis vom Verwalter erzählt hat (Lk 16,1–9), der, weil er weiß, dass er entlassen wird, die Schulden der Kunden seines Herrn herabsetzt, um sich ihre Gunst zu sichern. Er ist eine moralisch zweifelhafte Gestalt, doch Jesus benutzt ihn, um etwas Tieferes zu lehren: Klugheit, Verantwortung und den intelligenten Gebrauch der Mittel, die uns zur Verfügung stehen, der Gelegenheiten und Umstände, die uns täglich begegnen.

֍ Um also das heutige Evangelium zu nutzen, sollte ich vielleicht als Erstes bewusster darauf achten, wie ich mich in dem verhalte, was ich für gering oder unwichtig halte: etwa eine tote Kakerlake zu ignorieren, nichts gegen ein unordentliches Zimmer zu unternehmen, Unpünktlichkeit nachzugeben oder zu vergessen, dass ein Mitbruder gerade beim Arzt war…

„Das Wenige“ im Gleichnis vom untreuen Verwalter bezieht sich auf materielle Reichtümer, die sogar „ungerechter Mammon“ genannt werden (Lk 16,11), nicht weil sie an sich böse wären, sondern weil sie vergänglich, begrenzt und oft Quelle von Ungerechtigkeit in der Welt sind. „Das Viele“ hingegen weist auf die wahren geistlichen Reichtümer hin: das ewige Leben, die Sendung des Reiches, das göttliche Vertrauen oder tiefe Verantwortung gegenüber dem Nächsten.

Und genau das wiederholt Christus uns heute: Er fordert uns auf, auf die kleinsten Gebote zu achten, auf jene, die wir für unsere Beziehung zu den anderen nicht für wichtig halten und die wir nicht als von Gott in unsere Herzen eingeschrieben betrachten.

Deshalb spricht unser Gründer, Fernando Rielo, vom „guten Geschmack“ – nicht als Neigung zu teuren Gegenständen oder Luxus, sondern zu allem, was dem Nächsten gefallen kann, was ihm ein wenig Frieden, Erleichterung, das Gefühl des Angenommenseins schenkt.

Es ist ein Aspekt der Nächstenliebe, den der Meister vielfach hervorgehoben hat, etwa als in Bethanien (Mk 14,3–9) eine Frau ein Gefäß mit sehr kostbarem Öl zerbricht und es über ihn ausgießt. Einige der Anwesenden kritisieren sie scharf: Was für eine Verschwendung! Man hätte dieses Öl verkaufen können… Doch Jesu Reaktion ist elegant und von gutem Geschmack geprägt; er lässt sich nicht von der offensichtlichen und kühlen Logik wirtschaftlicher Berechnung mitreißen, sondern hebt die Schönheit der Geste hervor und verteidigt die Frau mit außerordentlicher Feinfühligkeit: Lasst sie! Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Dieses „schöne Werk“ (griechisch kalón ergon) bedeutet wörtlich eine „schöne, edle, anmutige Tat“ – eine Tat, die Jesus so sehr gefiel, dass er erklärte: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch von dem sprechen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

Ebenso sieht Christus die Schönheit im Kleinen, wenn er die bescheidene Gabe der armen Witwe lobt oder wenn er eine einfache und taktvoll-stille Geste vollzieht, indem er vor der des Ehebruchs angeklagten Frau auf den Boden schreibt.

Gewiss ist der Versuch, mit gutem Geschmack zu leben, der beste Weg, das Gesetz zu verstehen und zu leben – nicht nur die Gebote, sondern auch das in unsere Herzen geschriebene Gesetz, das wir oft missachten, weil wir meinen, Nächstenliebe sei „etwas anderes“. Die Propheten wussten sehr wohl, dass die Erkenntnis dieses Gesetzes des guten Geschmacks, des Gefallens vor Gott und dem Nächsten, eine besondere Gnade ist. Baruch drückt es so aus, indem er die Überlieferung seines Volkes rühmt: Selig sind wir, Israel, denn was Gott gefällt, ist uns kundgetan worden (Bar 4,4).

Darum sagt uns der heilige Paulus in der zweiten Lesung: Keiner von den Machthabern dieser Welt hat es erkannt; denn hätten sie es erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Diese Gesetze gründen in der Natur, in der Weise, wie Gott uns geschaffen hat. Doch über die Natur hinaus ist uns die Freiheit gegeben, auf seine Weise zu lieben, weil wir an seinem Bild und Gleichnis Anteil haben. Daher sind die Gesetze, die uns gegeben wurden, nicht gegen uns gerichtet, sondern spiegeln und zeigen, wie wir leben sollen, ohne den Fluss der Natur zu stören. Wenn wir dagegen handeln, handeln wir gegen uns selbst und zerstören so unser Lebensglück. Genau das sagt die heutige erste Lesung: Der Mensch hat Leben und Tod vor sich. Es liegt an uns zu wählen.

Und wir sehen, wie Christus seine heutige Unterweisung beginnt, indem er den Jüngern sagt, sie sollen nicht meinen, alles im Gesetz und in den Propheten Ausgesprochene sei überholt.

֍ Wenn man über das heutige Evangelium spricht, wird oft betont, dass „die Barmherzigkeit über dem Gesetz steht“. Doch Jesus stellt Gesetz und Barmherzigkeit nicht einander gegenüber, als würde das eine das andere aufheben. Er geht vielmehr weiter: Christus radikalisiert das Gesetz. Er lässt uns erkennen, dass es in uns eingeschrieben und tief verwurzelt ist, und er zeigt uns, wann wir beginnen, vom Weg der Gerechtigkeit abzuweichen, indem wir uns den Nächsten in vielerlei Weise aneignen – besonders wenn wir Armut, Keuschheit und Gehorsam nicht leben und durch Tun oder Unterlassen in den evangelischen Räten fehlen.

Man konzentriert sich häufig auf Jesu Wort: Wer eine Frau lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Doch wir müssen auch auf das achten, was er unmittelbar danach sagt: Wer seine Frau entlässt – außer im Fall von Unzucht –, der bringt sie dazu, Ehebruch zu begehen.

Wie bekannt, konnte im Judentum des ersten Jahrhunderts ein Mann seine Frau sehr leicht verstoßen: Es genügte, ihr einen Scheidebrief zu überreichen. Oft geschah dies aus nichtigen Gründen, wodurch die Frau sozial und wirtschaftlich schutzlos wurde. In der Praxis musste sie fast immer wieder heiraten, um zu überleben. Jesus sagt also: Wenn du sie ungerecht verstößt, bist du verantwortlich für den Ehebruch, zu dem sie gezwungen sein wird, um zu überleben. Durch die Wiederverheiratung erscheint sie als Ehebrecherin – nicht weil sie es will, sondern weil das erste Band ungerecht gelöst wurde.

So führt uns Christus weit über das Gesetz hinaus, das verbietet, unreine Handlungen zu begehen oder unlautere Begierden zu hegen: Es geht darum, die Keuschheit des Nächsten zu schützen – etwas, das wir unterlassen, wenn wir meinen: „Das geht mich nichts an.“

Betrachten wir einige Beispiele.

  1. Vielen jungen Menschen geschieht es aus mangelnder Sensibilität, aus Feigheit oder Egoismus, dass sie

    – keine Grenzen setzen, obwohl sie wissen, dass bestimmte Gespräche, Inhalte oder Umgebungen sie innerlich stören – oder auch andere Teilnehmer solcher Gespräche;

    – keine Hilfe suchen, wenn sie merken, dass sie in Gewohnheiten verfallen, die ihr emotionales Gleichgewicht schädigen, und ihren Freunden nicht helfen, wenn sie Ähnliches bei ihnen beobachten – meist verbunden mit Unkenntnis der Früchte der Keuschheit;

    – Freundschaften nicht pflegen und zweideutiges Flirten zulassen, das den anderen verwirrt.

Hier zeigt sich das Unterlassen als Mangel an verantwortlichem Handeln im Hinblick auf das eigene emotionale Wachstum.

  1. Viele Erwachsene nehmen ihre Verantwortung zur Erziehung nicht wahr. Dieses Unterlassen zeigt sich darin, keine Orientierung zu geben, wenn sie sehen, dass ein junger Mensch emotional verwirrt ist, oder kein gutes Beispiel im respektvollen Umgang mit anderen zu geben.

  2. Manche Ehepaare sprechen nicht über ihre emotionalen Bedürfnisse und lassen so die Beziehung erkalten. Das geschieht auf verschiedene Weise:

    – Sie pflegen Zärtlichkeit, Geduld und Aufmerksamkeit füreinander nicht.

    – Sie arbeiten nicht an den möglichen persönlichen Verletzungen, die die intime, emotionale und geistliche Beziehung beeinträchtigen.

Hier besteht das Unterlassen darin, nicht das zu tun, was notwendig ist, um den Ehepartner so zu lieben, wie es das Evangelium verlangt.

Im Gegensatz dazu sehen wir im Leben Christi, wie er sorgfältig vermeidet, emotionale Abhängigkeiten zu erzeugen, und wie er die Liebe der Menschen entschieden auf Gott, den Vater, hinlenkt.

Seine Liebe ist warm, nahe, mitfühlend – aber immer befreiend, niemals besitzergreifend. Und immer wieder richtet er die Herzen auf den Vater aus. Das zeigt sich eindrucksvoll in vielen Momenten, die uns als Inspiration dienen können:

  1. Jesus erlaubt Maria Magdalena nicht, sich an ihn zu klammern (Joh 20,17). Als sie ihn nach der Auferstehung voller Emotion erkennt, sagt er: Halte mich nicht fest – nicht weil er ihre Liebe zurückweist, sondern weil Maria lernen muss, sich auf neue Weise zu ihm zu verhalten. Ihre Sendung besteht nicht darin, „bei ihm zu bleiben“, sondern ihn zu verkünden. Indem Jesus sie einlädt, ihre Liebe zum Vater und zur Mission zu erheben, setzt er zugleich ein Zeichen der Zärtlichkeit und der Freiheit.

  2. Jesus zieht sich zurück, als die Leute ihn festhalten wollen (Lk 4,42–43), nachdem er in Kafarnaum viele geheilt hat. Er sagt: Auch den anderen Städten muss ich das Reich Gottes verkünden. So zeigt er, dass er sich nicht von einer Gruppe „besitzen“ lässt und dass seine Sendung größer ist als das emotionale Bedürfnis derer, die ihn bei sich behalten wollen.

  3. Jesus verhindert, dass die Jünger an seiner leiblichen Gegenwart hängen bleiben (Joh 16,7), indem er ihnen sagt: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. So werden sie nicht von seiner physischen Nähe abhängig sein; wenn er geht, werden sie den Geist empfangen und lernen, aus dem Vater zu leben. Christus will reife Jünger, keine abhängigen. Das ist eine beeindruckende Lehre über die Affektivität.

  4. Jesus verhindert, dass die Menge ihn zu einem emotionalen oder politischen Führer macht (Joh 6,15), nachdem er die Brote vermehrt hat; denn das Volk will ihn zum König machen. Er zieht sich allein auf den Berg zurück und nährt keine emotionalen oder politischen Erwartungen, die vom Vater wegführen würden. Zugleich macht er deutlich, dass seine Identität nicht von Applaus oder Massenbegeisterung abhängt.

  5. Jesus weist Petrus zurecht, als dieser ihn emotional „zurückhalten“ will (Mt 16,22–23). Der große Apostel sagt ihm voller aufrichtiger Zuneigung im Blick auf das Kreuz: Das darf dir nicht geschehen! Jesus antwortet entschieden: Du denkst nicht wie Gott, sondern wie die Menschen. Petrus wünscht sich einen Jesus ohne Kreuz, bequem, nah, „für ihn“. So lädt Jesus ihn ein, seine Liebe auf den Plan des Vaters hin zu erheben.

  6. Jesus lässt sich nicht von familiären Bindungen vereinnahmen (Mk 3,33–35). Als seine Angehörigen ihn suchen, sagt er: Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören. Damit weist er seine Familie nicht zurück, aber er erlaubt nicht, dass emotionale Bande seine Sendung begrenzen, und lehrt, dass die wahre Beziehung vom Vater her kommt.


In den Heiligsten Herzen Jesu, Mariens und Josefs

Luis CASASUS

Präsident